Deckungsgräben mit Zickzackform in Emden

In der Dollart-Hafenstadt Emden wurde im Bereich des Splitterschutzluftschutzbaues ein besonderes Projekt realisiert. Es handelt sich dabei um splitter- und trümmersichere betonierte Deckungsgräben einer ganz eigentümlichen Form. Die Gräben sind nicht wie damals reichsweit vielmals in einer Bauform, welche aus einem länglichen "Raumstollen" bestand, angelegt, sondern in einer bis zu fünfmal abgeknickten "Zickzackbauform". Die Anlagen variierten zwischen einer Einfach-Knick-Gestaltung bis zum Fünffach-Knick. Oft waren auch ein bis zwei Brandwachenstände integriert. Die Zickzack-Bauform wurde im Krieg im Vergleich zur Fülle der "regulären" Gräben eher selten realisiert. 19 der Anlagen sind bis dato in Emden nachgewiesen worden.

Skizze eines "Zickzackdeckungsgrabens" in Emden.

In den normalen Deckungsgräben wurden zur Druckbrechung im Falle eines Bombeneinschlages alle paar Meter jeweils zwei versetzt zueinander angeordnete Druckschutzprellwände eingebaut, welche zugleich als Abtrennung der einzelnen Raumzellen dienten. In Emden besitzen die dort im Volksmund als Zickzackbunker bezeichneten Deckungsgräben als Besonderheit die rechtwinkligen Umleitungen in ihren inneren Räumlichkeiten.

"Zickzackgraben Hilmarsum Süd" aus der Luft betrachtet.

Auch normale geradlinige Deckungsgräben wurden in Emden errichtet, jedoch wurden hier mehrfach diese Sonderbauten, meist direkt an den in den frühen 1940er Jahren neu entstandenen NS-Wohngebieten erbaut. Reichsweit mussten alle zu errichtenden Deckungsgräben auf jeden Fall außerhalb des Trümmerfeldes eventuell durch Angriffe zerstörter Gebäudestruktur gebaut werden. Das Spektrum reichte von in privater Hand erbauten, teilweise mit staatlichen Geldern geförderten Kleindeckungsgräben mit oft jeweils nur Platz für circa 25 Personen bis zu den großen öffentlichen Anlagen, wie sie auch die hier vorgestellten Zickzackgräben darstellten. Diese Anlagen werden Platz bis zu 250 Personen geboten haben, ungefähr 50 Plätze pro Raumzelle werden zur Verfügung gestanden haben.

Der Deckungsgrabenbau setzte bereits vor Beginn des Krieges ein, wurde bis zum "Sofortprogramm" im Herbst 1940 fortgesetzt und ebbte dann in Folge des Baues bombensicherer Bunker in den luftgefährdeten Orten ersten Grades etwas ab. In luftgefährdeten Orten zweiten Grades wurde der Deckungsgrabenbau jedoch unvermindert fortgesetzt, da hier bis auf einige Ausnahmen keinerlei bombensichere Bunker des Selbstschutzes errichtet wurden. Als ab 1943 der Bunkerbau aufgrund Baustoffmangels und vorrangiger militärischer Projekte immer mehr reduziert werden musste, wurden auch in den Orten ersten Grades weitere betonierte Deckungsgräben erbaut um zusätzliche Schutzplätze zu schaffen. Auch die Zickzackgräben Emdens werden in diesem Jahr fertig gestellt worden sein.

Einer der beiden Zickzackgräben in Wolthusen / heute gesprengt und überschüttet.

So befinden sich gleich zwei dieser Zickzackgräben im Bereich „Neue Heimat“ im Stadtteil Wolthusen. Einer der Gräben wurde zudem im Bereich der Concordiastraße errichtet, ein weiterer befindet sich noch heute auf freiem Feld östlich der Siedlung Hilmarsum. Ursprünglich befand sich auch am Westende der Siedlung ein solcher Deckungsgraben, er wurde gesprengt und ist heute überschüttet. Wie so oft befindet sich an seinem Standort nun ein Spielplatz. Kleinere Reste sind kaum mehr zu erkennen.

Zickzackgraben Hilmarsum / Lüftungsturm 1.

Die Anlagen besaßen als Besonderheit neben den splittergeschützten beiden Eingangsbereichen, welche am Ende der Gräben vorhanden waren, jeweils zwei Lüftungstürme auf dem Dach, welche in ihrem Aussehen und ihrer Dimensionierung schon mehr an die Belüftungsanlagen eines Tiefbunkers erinnerten als an die eines betonierten Deckungsgrabens. Ob die Deckungsgräben dieser Bauart Emdens jemals einen Volltreffer erhielten, ist unklar. Die beiden Gräben der Siedlung Neue Heimat sind gesprengt und teilverschüttet, der noch relativ unversehrte Graben in Hilmarsum ist zugeschüttet.

Zickzackgraben Hilmarsum / Lüftungsturm 2.

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